Warum ich manchmal nicht gehört werde und was das mit Großzügigkeit zu tun hat…

Und täglich grüßt das Murmeltier… Immer wieder passiert es mir, dass ich mit unseren Kindern Grundsatzdiskussionen führe und nach einiger Zeit bemerke, dass diese Unterhaltungen in Selbstgesprächen enden. Und mit offenem Mund steh ich dann da und kenn mich vorne und hinten nicht mehr aus, was da jetzt schon wieder schief gelaufen ist. Dabei hat alles doch so vielversprechend begonnen…


Ihr kennt sie doch auch, diese alltäglichen Situationen: Die Spielsachen liegen bombeneinschlagsmäßig im ganzen Haus (und im Sommer auch im gesamten Garten) verstreut herum. Die zum x-ten Mal gewechselten Outfitvarianten stapeln sich über dem darunter kaum noch zu erkennenden Stuhl. Ein Fußball reicht natürlich nicht aus, da müssen mindestens vier oder fünf runde Leder quer über die Wiese rollen. Und wenn der Durst sich meldet, dann braucht es jedes Mal aufs Neue ein frisches Glas mit kühlem Inhalt. Und am Ende des Tages gleicht unser aller gemeinsamer Rückzugsort einem Schauplatz der Verwüstung, wie nach einem orkanartigen Wirbelsturm.

 

Ja, ich gebe es ehrlich zu. Das nervt mich schon ziemlich. Und dann geht sie gelegentlich unvermeidbar los: die Tschentscherei (wie unsere Kinder sie spürbar genervt nennen). Anfangs kommt dann wohl das eine oder andere Veto, warum es eine unverzichtbare Notwendigkeit ist, mindestens vier Mal das Styling zu ändern. Warum gerade jetzt fünf Bälle zum technischen Balltraining zwingend benötigt werden. Und weshalb es sich einfach nicht vermeiden lässt, jedes Mal einen neuen Trinkbecher anzukleckern. Ja, klar! Macht alles Sinn. Denke ich mir zwar. Aber gesempert wird weiter. Und allmählich merke ich, dass meine junge Zuhörerschaft sich still und heimlich verkrümelt hat und ich mittlerweile ganz alleine diskutiere. Mit mir.

 

„Mama, du semperst halt immer dasselbe….“ bekomm ich dann gelegentlich zu hören. Ist es wirklich immer dieselbe alte Leier, die ich wie auf Knopfdruck abspiele? Dieselben Textwiederholungen, die unsere Kinder verständlicherweise schon nicht mehr hören wollen? Sind meine zu Beginn auf Gegenseitigkeit beruhenden Unterhaltungen deshalb Einbahnstraßen der gemeinsamen Kommunikation? Weil ich dann einfach nur noch vor mich hin quake? Ja, mit Sicherheit ist es so. Deshalb hab ich irgendwann damit begonnen, in solchen Momenten auch mal bewusst inne zu halten. Nichts mehr zu sagen, weil ja eh niemand mehr zuhört. Und mich zu fragen: Wie oft hab ich mich selbst vielleicht schon überhört? Wie oft hab ich mir selbst nicht zugehört, bei dem, was ich mir zu sagen hatte? Wie oft hab ich die nötige Stille in mir ignoriert, weil Turbulenzen im Außen sie einfach übertönten?

 

Heute weiß ich, diese Momente, in den ich nicht gehört wurde, haben mich unglaublich viel gelehrt. Unsere Kinder haben mich unglaublich viel gelehrt. Einfach mal still sein. Einfach mal zu mir kommen. Einfach mal mich beschenken. Mit Innehalten, mit In-Mich-Selbst-Hineinhören, mit Zeit zum Lauschen. Auf mich. Auf die Ruhe. Auf Wichtigeres im Leben. Und in solchen Augenblicken wird mir dann immer wieder aufs Neue klar, wie wertvoll diese Großzügigkeit sich selbst gegenüber ist. Und ab und zu gelingt es mir dann auch, ganz ohne Grund solche wertvollen Time Outs zu genießen. Einfach nur so. Ohne Semperei.

 

Begegnen dir in deinen zwischenmenschlichen Unterhaltungen auch solche kommunikativen Sackgassen und enden diese vielleicht in Funkstille? Und wie gehst du damit um? Lass es mich gerne wissen. Ich freue mich über deinen Kommentar hier oder auf meiner Facebook-Seite.

 

Bis zum nächsten Mal,
Katrin

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